Im Archiv

Archive können ja sehr unterschiedlich aussehen. Geordnet oder ungeordnet, alles in Mappen, Ordnern, oder Kisten vertaut. Verschlagwortet oder einfach in einer ungeordneten Liste irgendwohin gekritzelt. Jede einzelne dieser Variationen habe ich schon gesehen.

Beispiel für ein „Familienarchiv“

Mein letzter Archivbesuch war im Marinearchiv in Wilhelmshaven. Ich hatte im Voraus einen Archivauszug bekommen, in dem aufgelistet war, welche Archivalien im Zusammenhang mit Kusch vorhanden sind. Da ich einige bereits als Digitalisat erhalten hatte, handelte es sich nur um zwei Aktenordner und zwei Logbücher. eines von Kusch und eines von seinem Bordkameraden auf dem leichten Kreuzer Emden.

Die Aktenordner enthielten vieles aus dem Nachlass von Kuschs Vater, der auf einigen Umwegen nach Wilhelmshaven gekommen war. Unter anderem beschreibt Oskar-Heinz Kusch in einem Brief an seine Nichte, wie er das Verfahren gegen Richter Hagemann beurteilt, wie lange es gedauert hat und welche Widersprüche sich aufgetan haben.

Diese alten Texte zu lesen und in die damalige Zeit einzutauchen finde ich immer wieder sehr spannend und motivierend, weiterzuforschen.

Oskars Grab

Die widersprüchlichsten Hinweise gab es bei der Frage, was mit Oskar Kusch nach seiner Hinrichtung passiert ist. Da er nicht mit den vielen anderen Hingerichteten auf dem Nordfriedhof liegt und immer mal wieder vom alten Urnenfriedhof die Rede war, habe ich im Stadtarchiv die Krematoriumslisten durchgesehen. Bei Oskar Kusch stand alles, was ich berits wusste, aber eins was ich nicht wusste: Umgebettet am 5.12.1958 nach Berlin, Waldfriedhof.


Am darauffolgenden Tag habe ich die verschiedensten Waldfriedhöfe angerufen, in Zehlendorf wurde ich fündig. Die Dame auf der anderen Seite des Telefons schaute in ihre Unterlagen und teilte mir mit, dass das Grab bereits seit 18 Jahren ausgelaufen sei. Dann teilte sie mir mit, dass es noch nicht abgeräumt und noch vorhanden sei.

Der Schwager eines Freundes fuhr zwei Tage später nach Zehlendorf und machte Fotos.

Jetzt gilt es noch herauszufinden, wer Ruth Köhler war.

Der Delinquent ist anwesend

Einladung

Verhaftet am …, hingerichtet am …, die Stationen dazwischen spielen meist kaum eine Rolle in der Geschichte von unschuldig verurteilten und hingerichteten Widerständlern. „Der Delinquent ist anwesend“ nimmt genau diesen Zeitraum in den Blick. Die Installation im Innenhof des Marineuntersuchungsgefängnisses ermöglicht dem Besuchenden den Platz des Richters, des Angeklagten oder des Zuschauers einzunehmen, sich zu positionieren und eine Haltung zu entwickeln.

Herrn Penschucks Arbeiten des Werksatzes REGISTRATO zu bürokratisierter Gewalt, Krieg und Ausgrenzung werden seit 2012 überregional in ‚engagierten‘ Ausstellungen gezeigt.

Wir laden herzlich ein zur Eröffnung der Kunstinstallation „Der Delinquent ist anwesend“ mit Konzert und Gespräch mit dem Künstler Herrn Penschuck.

20.7.2024, 15 Uhr, Innenhof des Marineuntersuchungsgefängnisses (Zugang rechts von Weimarer Straße 5)

Es sprechen:
Ingrid Lietzow, Vorsitzende des Vereins Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V.
Rolf Fischer, Vorsitzender der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V.
Anja Manleitner, Kuratorin der Ausstellung „Widerstand & Verantwortung“
Herr Penschuck, Performancekünstler und Entwickler der Installation